Stimmen

k.west 01. Februar 2016

Theater für die ganze Familie. Man stellt sich Jo Fabians Bühnenadaption von Wilhelm Hauffs Kunstmärchen am besten wie eine dieser russischen Puppen vor, in denen sich immer noch eine weitere Puppe verbirgt. Die äußere Hülle mit dem dick aufgetragenen schwäbischen Dialekt und den grotesken Verrenkungen von Wolf Gerlachs Kohlenmunkpeter ist ein wilder Spaß für Kinder. Aber der arme Köhler, der so gern reich wäre, ist auch ein normaler Teenager mit allen Unsicherheiten und Fehlern, die zum Erwachsenwerden gehören. Auf einer dritten Ebene verwandelt Fabian das Märchen in ein satirisches Lehrstück über die vernichtende Macht des Geldes.


Ariane Schön, coolibri 01. Januar 2016

Ein Familienstück wollte Regisseur Jo Fabian aus dem düsteren Märchen „Das kalte Herz“ machen – das ist ihm gelungen. Sein Kohlenmunkpeter plappert fröhlich in Schwarzwälder Mundart und die witzigen schwarz-weiß-roten Kostüme erinnern an landestypische Trachten. Statt originalem Bollenhut trägt die von Peter umworbene Lisbeth Weihnachtsschmuck-Geschmeide auf dem Kopf – Katharina Lautschs Bühnenkreationen bekommen in dem karg stilisierten Bühnenbild die verdiente Aufmerksamkeit.

Leichtfüßig, manchmal kitschig, aber immer mit einem deutlichen Augenzwinkern präsentiert Fabian seine Fassung des Originals von Wilhelm Hauff. Ein atmosphärischer Soundtrack begleitet die Wandlung seiner Hauptfigur. Ungestüm jungenhaft spielt Wolf Gerlach den lustigen Burschen, bis er im teuflischen Pakt mit dem Holländer-Michel sein Herz gegen einen Stein eintauscht. Ab da schleicht er buckelig und fies mit schweren Geldsäcken über die Bühne. Die anderen Figuren, allen voran der reiche Ezechiel und der Tanzbodenkönig als eine Abwandlung von Dick und Doof (Matthias Horn, Boris Schwiebert), sind herrlich selbstironisch gezeichnet. Trotz vieler Inszenierungseinfälle geht die Geschichte nicht verloren. Elend und Ansehen, Arm und Reich – Hauffs Erzählung verkündet die simple und oft wahre Botschaft, dass Geld und Besitz allein nicht glücklich machen.


Laura Brechmann, Die junge Bühne, 21. November 2015

Die Energie bleibt die gesamten 100 Minuten ungebrochen und trägt den Zuschauer, ob jung oder alt, geradezu durch den Abend. Jo Fabian gelingt es hervorragend, den Zuschauer in Hauffs fantastische Welt zu entführen. Eine Welt, wo die Figuren ihre Entfremdung durch Tanz auszudrücken vermögen und tot oder lebendig keine verlässlichen Kategorien mehr sind. Wenn Peter zwischen langen, hohlen Bambusstangen, die bei jeder Berührung wie ein hölzernes Windspiel klingen, nach dem mächtigen Schatzhauser (Marco Leibnitz), der jedem Sonntagskinde drei Wünsche erfüllt, zu suchen beginnt, verdichtet sich die Inszenierung.

Jo Fabian inszeniert ein Ende, das gefährlich schnell ins Kitschige hätte abrutschen können. Tut es aber nicht. Im Gegenteil, die Begeisterung im Ausdruck von Standing Ovations lässt sich mit keinem Geld kaufen. Sie ist alleine eine Anerkennung, die sich Regisseur und Ensemble hart erarbeitet und vor allem verdient haben. Das macht zwar nicht reich, aber vielleicht zumindest für einen Abend lang zufrieden und glücklich.


Steffen Tost, Neue Ruhr Zeitung, 20. November 2015

Jo Fabian inszeniert Wilhelm Hauffs „ Das kalte Herz“ als kurzweiligen und ideenreichen Abend für die ganze Familie. Soziales Elend, Gier, Täuschung und Mord sind ernste Themen die Fabian in seiner Inszenierung aber zur kurzweiligen Groteske treibt, in der es viel zu lachen gibt. Das fängst schon mit dem süddeutschen Dialekt an, und Gabriella Weber gelingt es, der Mutter viel Komik abzugewinnen.