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Die Marquise von O...

Heinrich von Kleist

Die Geschichte beginnt im Krieg. Wie immer im Krieg wird gemordet, geplündert, vergewaltigt. Wie ein Engel erscheint in diesem Chaos ein russischer Offizier, der die Marquise in der Nacht der feindlichen Übernahme vor der sexuellen Gewalt seiner Soldaten schützt. Dieses verhinderte Kriegsverbrechen hat Folgen. Am nächsten Morgen werden die Soldaten hingerichtet und der gefeierte Retter verabschiedet sich. Wochen später stellt die Gerettete fest, dass sie schwanger ist. An eine Zeugung kann sie sich nicht erinnern. Für ihren Vater ist das die boshafte Lüge zur Verschleierung sexueller Eskapaden, die Mutter weiß nicht, was sie denken soll, und die Marquise entschließt sich zu einem radikalen Schritt. Per Anzeige sucht sie den Vater des Kindes. Sie führt, eine radikale Aufklärungskampagne gegen sich selbst und es zeigt sich eine Welt, in der es keine Gewissheiten gibt, nicht einmal die Gewissheit, dass eine Frau über sich selbst sagen kann, ob sie schwanger ist oder nicht. Und wer ist dann der selbsterklärte Vater, ein Monster? Ein Retter? Ein Engel? Ein Soldat, der einen Fehler begangen hat? Ein Soldat, der den impliziten Regeln des Krieges folgte oder einfach nur ein Mann, der sich verliebt hat? Die Kette der unglaublichen Ungeheuerlichkeit ist an diesem Punkt noch nicht zu Ende, denn gesucht wird die Wahrheit. In einer detektivischen Rückschau, rasant und mit gewalttätig stürmender Sprache arbeiten sich die Figuren an die Wahrheit heran. Eine Wahrheit, die, je näher man ihr kommt, zerfällt.

Stimmen

Klaus Stübler, Ruhrnachrichten.de, 16.02.2018

Die Marquise von O ist schwanger, weiß aber nicht, von wem, kann sich an nichts erinnern. Und jetzt sucht sie ihren Vergewaltiger, will ihn gar heiraten. Eine ungeheure Geschichte – vor 210 Jahren, als Kleist sie veröffentlichte, aber auch noch in Zeiten von „MeToo“. Wenn man sie denn so packend und zeitgemäß erzählt wie jetzt Esther Hattenbach in Mülheim fürs Junge Theater an der Ruhr. (...) Eine Kleist-Performance, die über ihre vollen 90 Minuten in ihren Bann zieht. Wow.

Thomas Emons, WAZ/NRZ, 17.02.2018

Gelungene Premiere: Authentisch inszenierte das Junge Theater Kleists „Marquise von 0“

Was hat uns Heinrich von Kleist mit seiner „Marquise von O“ heute noch zu sagen? Eine Menge. Das zeigte jetzt die Premiere im Jungen Theater an der Ruhr. Esther Hattenbach (Regie) und Sven Schlötcke (Dramaturgie) machten die Bühne zum Laufsteg. (…) Trotz des minimalistischen Bühnenbildes, das letztlich nur aus einigen Stühlen bestand, sorgten Joanna Kitzi, Gabriella Weber, Nico Ehrenteit, Oliver Kerstan, Thomas Schweiberer und Rupert Seidl mit ihrer überzeugenden Schauspielkunst für eine Emotionalität und eine packende Atmosphäre, der man sich als Zuschauer nicht entziehen konnte und wollte.  

Karten

19.11.2018
19:30
20.11.2018
11:00
20.11.2018
19:30

Besetzung

Joanna Kitzl
Nico Ehrenteit
Oliver Kerstan

Team

Esther Hattenbach
Regie
Julia Morawietz
Dramaturgieassistenz
Heinke Stork
Kostüm
Jochen Jahncke
Licht und Video
Franz Dumcius
Ton
Uwe Muschinski
Bühnentechnik
Bekim Aliji
Requisite